Konstruktionsarten einer Klinkerfassade

Konstruktionsarten einer Klinkerfassade

März 13, 2019

Was von Aussen wie eine Klinkerfassade aussieht, ist eventuell keine «echte» Klinkerfassade: es gibt verschiedene Konstruktionsarten, die mittlerweile allesamt in der Schweiz verbaut werden. Der folgende Systemvergleich soll Klarheit in die Konstruktionen der Mauerwerks-Fassaden bringen: 

Aufgrund seiner geringen Erstellungskosten ist die bekannte Kompaktfassade mit aufgeklebten Klinkerriemchen ein äusserst beliebtes Fassadensystem. Dabei ist der Aufbau vergleichbar mit einer verputzten Kompaktfassade, jedoch werden abschliessend die vorderen 1.5cm eines abgeschnittenen Klinkersteins, das sogenannte Riemchen, auf die Dämmung geklebt. Im ersten Schritt wird die druckfeste Dämmung mittels Hochleistungskleber und zusätzlicher durchlaufender Netzeindeckung mit Plastikdübeln an die Betonwand befestigt. Die einzelnen Riemchen werden dann geklebt und nachträglich verfugt. Da die Klinkerriemchen keine statische Funktion übernehmen, können sie auch «untypisch» vertikal verlegt werden, wie am Wohnhaus Maaghof City West von Diener & Diener Architekten. Vorteile dieses System sind die verhältnismässig geringen Erstellungskosten, die kurze Bauzeit sowie der dünne Wandaufbau. Ein weiterer Pluspunkt ist die vollumfängliche Systemgarantie, da die Fassade meist von einem Fassadenunternehmer komplett erstellt wird (Anbieter: Sto, Klinkerzentrale, Knauf, etc.). Nachteile dieses System ist die geringe Langlebigkeit (auch aufgrund mangelnder Langzeiterfahrungswerte), ein erhöhter Unterhalt/Wartung, die ökologische Bilanz der abgeschnittenen Riemchen sowie eine gesetzlich vorgeschriebene maximale Bauhöhe (keine Hochhäuser ohne besondere konstruktive Massnahmen).

Aufgrund der bauphysikalischen Bedenken einer Kompaktfassade hat sich das System der hinterlüfteten Trägerplatte etabliert. Hier wird ebenfalls die Dämmung vorgängig an den Rohbau befestigt. Mit Abstandshaltern wird nun eine stabile, rund 1cm dicke Trägerplatte mit Abstand, die sogenannte Luftschicht (mindestens 3cm), befestigt. Auf die Trägerplatte werden nun Klinkerriemchen geklebt, welche abschliessend verfugt werden. Auch dieses System erlaubt eine vertikale Verlegeart, da die Riemchen nur sich selbst tragen. Dieses System ist zudem auch mit keramischen Platten, Glasmosaik, dünnen Naturstein oder Photovoltaikplatten möglich. Dank der Hinterlüftung ist das äussere Fassadenmaterial thermisch entkoppelt und beide System können Temperaturschwankungen besser aufnehmen. Zudem ist auf Bautoleranzen leichter reagierbar und es liegen erwiesene Langzeiterfahrungswerte vor. Der Einsatz bei Hochhäusern ist möglich. Nachteilig sind der aufwendigere und kostenintensivere Bau der Unterkonstruktion sowie der dickere Wandaufbau. Bekannte Anbieter dieses Systems sind beispielsweise Sto und SarnaGranol, wie etwa an dem Wohnhaus Zurlindestrasse von huggenbergerfries Architekten bewiesen. 

Das bewährteste Wandsystem für Klinkerfassaden ist der konventionelle Aufbau des hinterlüfteten Vollstein-Klinkers. Auch hier wird die Dämmung vorgängig an die Betonwand verklebt. Mit einem geringen (mindestens 2cm) Abstand wird nun eine einschalige Vormauerung aus vollwertigen Klinkersteinen aufgemauert, welche nur sporadisch mit dünnen Gelenkankern an den Rohbau zurückgebunden ist. Aufgrund der statischen Belastung der Steine müssen die Klinker horizontal und im sinnvollen Verbund gemauert werden. Diese Konstruktionsart besticht mit einer extremen Langlebigkeit (man geht von einer Lebensdauer von 80 Jahren aus), einem geringen Unterhalt, einer schnellen Bauzeit, einer grossen Aufnahmefähigkeit von Bautoleranzen, einer guten Ökobilanz sowie einer allgemeinen hohen Materialwertigkeit. Bauphysikalisch agiert das Mauerwerk eigenständig und kann dank seiner Speicherfähigkeit Temperaturschwankungen ideal aufnehmen. Die hohen Erstellungskosten sowie der deutlich dickere Wandaufbau schrecken jedoch viele Bauherren ab. Ausgeführte Objekte sind das Geistlich Areal Schlieren C1 von Graber Pulver Architekten oder die Wohnhäuser des Zwicky Areals von Giulianni Hönger Architekten.

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Bildnachweis: 

Escherterassen Zürich, Janinhoff Klinker Manufaktur

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Quellen:

https://keller-systeme.ch/de/sichtstein-und-klinkerfassaden (12.1.2018)

http://www.knauf.ch/de/sortiment/putz-und-fassade/klinker/ (12.1.2018)

https://www.baunetzwissen.de/glossar/k/klinker-48027 (12.1.2018)

http://www.caparol.ch/fileadmin/data_ch/BRO_Individuelle_Klinkerfassaden_72dpi.pdf(12.1.2018)

http://www.haus-xxl.de/themen/die-klinkerfassade-alles-zu-aufbau-pflege-und-kosten-496(12.1.2018)

Günter Pfeifer, Rolf Ramcke, Joachim Achtziger, Konrad Zilch, Mauerwerksatlas, Birkhäuser Verlag, Edition Detail, Berlin, 2001