100 Jahre Bauhaus – ein Blick zurück auf die Revolution von Design und Kunstpädagogik

100 Jahre Bauhaus – ein Blick zurück auf die Revolution von Design und Kunstpädagogik

Februar 6, 2019

«Bilden wir eine neue Zunft der Handwerker ohne die klassentrennende Anmassung, die eine hochmütige Mauer zwischen Handwerkern und Künstlern errichten wollte! Wollen, erdenken, erschaffen wir gemeinsam den neuen Bau der Zukunft, der alles in einer Gestalt sein wird: Architektur und Plastik und Malerei.» 

Mit diesen klaren, ja geradezu revolutionären Worten aus dem Bauhaus-Manifest von 1919 begann die Geschichte der einflussreichsten Schule für Architekten, Künstler und Designer: Das Bauhaus in Dessau, welches nach seiner Gründung 1919 in diesem Jahr sein 100-jähriges Jubiläum feiert. Grund genug für eine kleine Hommage an diese Zeit, denn auch ein Schweizer hatte einen prägenden Einfluss auf das Bauhaus und damit auf die heutige Ausbildung von Kunst- und Designstudenten: Johannes Itten.

Als einen der ersten Lehrer holte der Gründer des Bauhauses, Walter Gropius, den Schweizer Maler und Kunsttheoretiker Itten nach Weimar. Der Schweizer hatte nach eigenen enttäuschenden Erfahrungen mit akademischem Unterricht seine eigene Kunstpädagogik entwickelt. Am Bauhaus führte er eine Basisausbildung ein, durch welche sich die Studenten in einem ersten Schritt in Bezug auf ihr präferiertes Kunstgenre «finden sollten». Individuelles Erleben unterschiedlicher Künste anstatt des theoretischen akademischen Unterrichtes stand im Vordergrund und liess die Studenten ihre wahren Talente und Vorlieben entdecken. Auch heute steht der gestalterische Vorkurs, beispielsweise an der Zürcher Hochschule der Künste, für das Experimentieren, Vergleichen und Erleben und bereitet die Studenten auf das anschliessende Kunststudium vor. 

Doch nicht nur bezüglich der Bildung in Kunst und Design war das Bauhaus revolutionär. Trotz Schliessung der Schule nach nur 14 Jahren unter dem Druck der Nationalsozialisten aufgrund seines antibürgerlichen Rufes beeinflussen die damals entstandenen Designobjekte, Kunstwerke und Bauten noch heute viele Interior Designer und Architekten. 

Das Bauhaus stand für rationale und funktionale Entwürfe nach dem Motto «form follows function». In einem damaligen Werbefilm des Bauhauses werden eine Leselampe, welche nach jeder Richtung hin drehbar ist, und ein Liegesofa, welches nach kurzem Umbau in ein Sitzsofa für die Teeecke umfunktioniert wird, angepriesen. Den Genuss dieses Teetrinkens zelebrierten die Bauhäusler zudem mit der Entwicklung von Teezubehör. So wurde zu dieser Zeit das noch heute viel genutzte Tee-Ei entwickelt. Auch die Teekanne aus Glas von Wilhelm Wagenfeld, dem Mitentwickler der berühmten Tischlampe aus Metall und Glas von 1923/24, gilt noch heute als zeitlos. 

Danke «Bauhaus» für 14 prägende und revolutionäre Jahre!

Teekanne Wilhelm Wagenfeld
Tee-Ei Christian Dell, 1924
Tischlampe Karl J. Jucker und Wilhelm Wagenfeld, 1923/24

Jennifer Kossow ist Gründerin des «no place like this» Interior Design Ateliers in Zürich und absolviert zurzeit die Weiterbildung zur Einrichtungsgestalterin an der HFTG in Zug. Sie bloggt zu aktuellen Themen aus Innenarchitektur und Design. 
www.noplacelikethis.ch



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Bildnachweise:

Pixabay.com 
Bauhaus, bauhaus archiv, Magdalena Droste, 1919-1933, benedikt taschen verlag, Originalausgabe, 1998
Bauhaus Archiv GmbH, https://www.bauhaus-shop.de/jenaer-glas-teekanne-wagenfeld.html
http://historicaldesign.com/product/black-and-silver-german/

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Quellen:

Die Kunst des Bauhaus, Wie erkenne ich?, Hajo Düchting, Belser Verlag, 2006
Bauhaus, Bauhaus Archiv, Magdalena Droste, 1919-1933, Benedikt Taschen Verlag, Originalausgabe, 1998